Die Bill Cosby Show

Die Bill Cosby Show

Die kontroverseste Folge aller Zeiten! Sebastian und Dominik sprechen über "Die Bill Cosby Show". Darf man das?!?

Genre: Sitcom
Jahr: 1984-1992
Sprecher: Sebastian Thies, Dominik Cenia
Musik: Go Go 60s von Dave Depper (CC-Lizenz)

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8 Gedanken zu „Die Bill Cosby Show

  1. Ja Mensch, so ein einfaches Thema. 😀
    Ich handle auch erst mal Cosby selbst ab, damit man es hinter sich hat. Ich denke einen großen Anteil hat die Verwerflichkeit der Tat, nicht der Verurteilung an sich. Es gibt genug Beispiele von Künstlern, die wegen Körperverletzung, Drogen oder sonstigem im Knast waren. Nicht umsonst sind in der Hierarchie der Gefängnisse die Sexualstraftäter ganz unten.
    Vieles kann man vergeben, eventuell sogar einen spontanen Totschlag aus dem Affekt heraus. Aber für Vergewaltigung unter Drogen gibt es nun mal keinen anderen Erklärungsgrund als ungezügelten Trieb und die jahrzehntelange Verachtung der Würde anderer Menschen.
    Das ist eine ganz andere Qualität als hätte er Steuern oder so hinterzogen.
    Von der Folge, wo er er ein Chili kocht, was aphrodisierend wirkt will ich jetzt gar nicht mal anfangen.
    Mit der Zeit wird man das vermutlich vergessen. Wer in 500 Jahren einen Kurs ein Mediengeschichte macht, wird das ganze als Randnotiz lesen und genauso drüber hinweggehen, wie wir über Michelangelo hinweggehen, einfach weil kein Opfer mehr lebt und die Zeit trennt.
    Die Frage, kann/soll man den Künstler von der Kunst trennen muss jeder für sich beantworten. Bei einem Film, wo man die Figur vor sich hat ist das vllt. schwerer als bei einem Musiker oder Maler. Zumal die Fallhöhe bei Cosby einfach gigantisch war. Im Grunde führt er jede Lektion, die er seinen Kindern erteilt ad absurdum mit seinem Verhalten. Die Serie diente als Vorbild für Werte wie Erziehung, Zuhören, Ausbildung, Fleiß und vielem mehr.
    Daran muss sich auch der Lehrer messen lassen.
    Oder umgekehrt man stelle sich in einem Gespräch mal vor, der Gesprächspartner haut einem unvermittelt im Gespräch eine rein und verlangt dann, man solle die Ohrfeige doch bitte vom Gespräch trennen. So funktioniert es nun mal nicht. Fehlverhalten hat soziale Konsequenzen und bedauerlich ist es, dass der Cast die mittragen muss. Sie verdienen nun ja nicht mehr an der Syndication und gehe mal davon aus, dass es auch heute noch zumindest ein paar tausend Dollar im Jahr gewesen wären (Stichwort Geoffrey Owens im Laden).

    Zur Serie an sich: ich kann die in 3 Phasen bei mir trennen. Erstausstrahlung gesehen als Kind, dann noch mal 20 Jahre später und nun heute, nach dem Prozess.
    Als Kind fand ich die Serie super, der Onkel machte Witze, die Frau war witzig, die Kinder. Nur das Intro fand ich damals ebenfalls zum fremdschämen. 😀

    20 Jahre später empfand ich bei einer Wiederholung vieles als spießig und streng. Die Eltern wollen eigentlich die Kinder in eine Rolle pressen und scheitern aber damit, bis auf Theo. Nun versacken die Kinder nicht, aber sie erfüllen die Erwartungen nicht. Und was sagt es aus, wenn ein Kind seinen Ohrring vor dem Vater verstecken muss? Da scheint eine anfängliche Angst inne zu sein. Das ist jetzt natürlich übertrieben, vieles ist ja dem Drehbuch geschuldet, was eine Story haben muss. Aber die Spießigkeit hat sich bei mir bis heute im Kopf festgesetzt, da war ja wirklich die Schwarzwaldklinik progressiver.

    Heute fällt es mir schwer über Cosby hinwegzusehen, aber ich habe auch nicht mehr viel gesehen. Vielleicht würde es nach einigen Folgen nachlassen, aber ich hatte auch nicht die Ambitionen sie nochmal wegzubingen.

    Daher mein Fazit: eine schöne Serie, ein Chronist ihrer Zeit, etwas altbacken, mit nicht zu unterschätzendem Einfluss auf die Wahrnehmung der Schwarzen in Amerika und leider heute mit dem Makel behaftet, dass Cosby mit dem Arsch (oder der Vorderseite) eingerissen hat, was er damit aufgebaut hat.

    Mit Sicherheit eine der bedeutendsten Sitcoms in der bisherigen Geschichte und eine der letzten Serien, die von 4 bis 99 geschaut werden konnte, bevor die Segmentierung von Serienzielgruppen, der Einzug des Internets und weniger braver Humor zum Standard wurde. Wenn die 90er ein Umbruch waren im Sehverhalten, dann war das die letzte der großen Serien, die noch den Geist des Fernsehens der 40 Jahre zuvor geatmet hat.
    Ich kann aber auch eure Meinung zu der Serie in allen Belangen nachvollziehen und ich finde ihr habt die Minen erfolgreich umschifft.
    Darauf einen Long Island Ice Tea mit Rohypnol! Ich geb einen aus. 😀

    Das wurde wieder länger als geplant, ich hoffe die Seite schmiert diesmal nicht ab. 😀

    1. Diesmal hat die Seite es verkraftet 🙂
      Das die Serie spießig ist, da hast du auf jeden Fall recht. Ist halt auch eine Serie Ihrer Zeit und da war das ja noch eher so.
      Warum das bei mir beim wieder anschauen nicht so aufgefallen ist, liegt wahrscheinlich daran, dass ich im tiefen meines Herzens wohl auch ein klein bisschen spießig bin und das gesehene in meinem Hirn im Bereich des angenehmen abgeleg wurde und es mich an die „schönen“ alten Zeiten erinnert hat.

  2. allo, gute Besprechung! Ich sehe das allerdings auch etwas kritischer. Das Werk vom Künstler zu trennen ist einfach nicht möglich. Auch wenn man das selbst als Konsument ausblenden kann – im Kontext eines Mediengeschäfts und in der kulturellen Einordnung kann man das nicht trennen. Deswegen wird eine Serie nicht schlechter, aber man sieht das Werk mit zusätzlichem Kontext anders und muss auch anders mit ihr umgehen. Wenn ihr (wie am Anfang als Idee formuliert) diese ganze Thematik komplett ausgeblendet hättet, wäre das ein Grund für mich gewesen eure Sendung nicht weiter zu hören. Ausblenden und nicht thematisieren ist ein großer Teil des Problems. Da halte ich Trennung von Werk und Künstler für eine faule Ausrede, weil man sich mit den geänderten Vorzeichen nicht befassen will. Und dann sprecht ihr von bevormundung, weil man das nicht mehr so einfach sehen kann: Ich fände es *super schräg*, wenn die Saubermann-Selbstdarstellung eines verurteilten Mega-Arschlochs weiterhin gezeigt würde. Es wird auch Caravaggio erwähnt: Der Künstler/Genie-Mythos ist (zum Glück) heute immer mehr am bröckeln. Es ist entscheidend wer etwas aus welchen Gründen tut und es gibt heute genug tolle Künstler und Serien, die auch Großartiges schaffen, ohne dabei andere Menschen zu misshandeln.

  3. Sehr guter Rückblick auf die Serie! Ihr habt absolut Recht. Mit dem komischen Kind begann der Abstieg…
    Übrigens: Gibt es einen RSS Feed zu eurem Podcast?

      1. Ganz unten auf der Seite ist auch der Button zum abonieren. (Wurde die letzten Tage nach einem Update aber leider eine Zeit lang nicht angezeigt)

  4. Zur Thematik „Trennung Kunst/Künstler*in“: Kann ich bei gewissen Taten/Meinungen nicht. Ich kann deren Talent und Leistungen anerkennen, aber ich werde die Person – nach Möglichkeit – nicht mehr unterstützen. Bei sexueller Gewalt, Rassismus, Misogynie oder LGBTI*-Feindlichkeit vergeht mir das Interesse, die Person/Firma mit Geld oder Produktwerbung zu unterstützen. Da können die Kinskis und Cosbys dieser Welt so gut gewesen sein, wie sie wollen.
    Eine Serienkritik ist für mich aber keine Werbung. Und auch wenn die Show seinen Namen trägt, so ist sie Teil der Geschichte und soll besprochen werden. In ihren positiven und negativen Aspekten.
    Whitney Houston und Vanessa Williams hatten vielleicht Glück, die Rolle nicht zu kriegen. Ist ja nicht auszuschliessen, dass B.C. da ganz andere Interessen hatte.

    Ihr habt euch gefragt, ob es einen weiteren Fall in der Heileweltserienwelt gab:
    Gab es: Stephen Collins (Eine himmlische Familie) und Robert Hughes (Hey Dad!) haben beide Kinder missbraucht.

    Zur Show:
    Sondra hätte man gerne weglassen können. Vanessa war nur nervig. Naseweise Kleinkinder wie Olivia sind leider keine Erfindung der Filmindustrie.
    Denise war auch mein Crush. Und ich musste stark an die Folge mit Theos Oberlippenflaum denken, als es bei mir anfing. Es war mir eine Lehre, nicht auch so bescheuert rumzulaufen… 😉
    Übrigens war Oliver Rohrbeck Theos Synchronsprecher. Justus Jonas war mit dabei und mir ist das nie aufgefallen.

  5. Nachtrag:
    Dass in der Serie die Hautfarbe so gar keine Rolle spielt, sehr ich tatsächlich auch als ein zweischneidiges Schwert. Ich kann mir gut vorstellen, dass sich die Community darüber geärgert hat, dass eine Sendung, die so viele Menschen erreichen konnte, kein expliziteres Sprachrohr für sie war.
    Claire oder Theo hätten z.B. mal nach Hause kommen können und sich darüber ärgern, dass sie im Job/in der Schule Diskriminierung erfahren haben. Oder die Grosseltern erinnern daran, dass es überhaupt nicht selbstverständlich ist, dass Cliff und Claire an die Uni gehen konnten. An solche Szenen kann ich mich zumindest nicht erinnern. Anders, als an Alvins sexistische Bemerkung und Claires emanzipierten Konter.

    Die Frage ist ja, warum das Drehbuch so war. Sollte es zeigen: „Hey, wir sind wie ihr, wenn ihr uns nur eine faire Chance gebt!“? Oder sollte die Produktion einfach froh sein, dass so eine Serie überhaupt möglich ist und bloss keine Politik zeigen, damit es der weissen Bevölkerung nicht zu unbequem wird auf dem Sofa?

    Interessant wäre auch zu wissen, wie „schwarz“ die ganze Produktion in Wahrheit war. Das Cast ist ja der kleinste Teil…

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